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Clyátomon: Die Schlacht am Grabenbruch von Hettya

22.02.2014
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Trommelwirbel verkündeten, dass der Angriff begann. Ein Adrenalinstoß durchfuhr den König.
„Wenn dieses Bündnis seinen Sinn erfüllen soll, müssen meine Männer unverzüglich in Kenntnis gesetzt werden.“ Er verneigte sich flüchtig vor den Göttern und eilte in den Innenhof zu seinen Meldeschwimmern. „Sagt allen Kriegern, dass wir auch ein Bündnis mit mächtigen Wesen eingehen konnten. Hier in der Festung befinden sich Cornus, der Botschafter der Meere, Linatha, Herrscherin über die Ströme, Jurmbar, der Herr der Stürme und Saristros, der Führer des Lichts. Sagt allen, dass unsere Gebete erhört wurden und wir eine reelle Chance haben gegen Jarmar zu bestehen. Freywan ist nicht auf dem Weg hierher. Wie es aussieht fällt er Jarmar in den Rücken und wir werden nicht von einer doppelten Streitmacht angegriffen.“ Die Meldeschwimmer wirkten erstaunt. Während sie gemeinsam nach oben schwammen, unterhielten sie sich aufgebracht. Die Götter müssten sich seinen Kriegern zeigen, damit diese an ein Bündnis glaubten und gestärkt in die Schlacht gingen. Aber sie würden sich nicht vorführen lassen. Also konnte er nur beten, dass diese Nachricht in Kombination mit den Beobachtungen des Spähers, seine Männer und Frauen zumindest hoffen ließ. Er hetzte zu den Armbrustschützen in die vordere Bastion, wo seine Leibwache und weitere Meldeschwimmer bereits auf ihn warteten. Von hier konnte er das weite Tal sehen, das vor der Festung lag – und Jarmars Armee, die auf Sondrur zustürmte. In erster Reihe ritten Krieger auf ihren Drachen. Die Schreie der Tiere dröhnten laut. Den Drachen folgten Tausendschaften schwimmender Krieger. Sie schwammen in Rechtecken. Imendur hoffte, dass sie im Inneren dieser Formationen keine neuen Waffen verbargen oder weitere verbündete Meereswesen.

„Armbrustschützen, macht Euch bereit“, befahl er, als Jarmars Armee noch an Geschwindigkeit zulegte. Die Feinde würden versuchen, das steinerne Tor im Dach der Festung zu durchbrechen, denn es stellte die größte Schwachstelle dar. Er zielte mit der Armbrust auf den Hals eines Drachen und gab gleichzeitig den Befehl zum Abschuss. Der erste Bolzenhagel sauste auf ihre Gegner nieder. Der Drache, auf den er gezielt hatte, war getroffen. Er wand sich und warf seine Reiter ab. Imendur lud sofort seine Waffe nach. Schuss! Der zweite Bolzenhagel sauste auf die Tiere und ihre Reiter zu. Aber in diesem Moment zogen sie nach oben über die Mauer und die Bolzen gingen ins Leere. Imendur ballte verärgert eine Faust und wechselte dann, wie die anderen Krieger, die Position an eine der Schießscharten im Dach der Bastion. Schnell drehte er sich auf den Rücken und visierte den Bauch eines Drachen an. Dann gab er seinen Armbrustschützen und den Harpunieren den erneuten Befehl zum Abschuss. Er beobachtete, wie eine Harpune den Schädel eines Tieres wegriss. Die Durchschlagkraft dieser Waffen war enorm. Die Drachen kamen bis auf einen halben Meter an das Dach heran. Er bemerkte zu spät, dass ihre Reiter gezielt Bolzen auf die Schießscharten abschossen. Ein Geschoss sauste direkt auf ihn zu. Blitzschnell drehte er sich zur Seite, als er einen spitzen Schrei hörte. Der Bolzen hatte den jungen Krieger neben ihm getötet. Imendur gab den Befehl zum nächsten Bolzenhagel. Als er abebbte, schwammen in Jarmars Streitmacht unbemannte Drachen aus den hinteren Reihen nach vorne. Sie preschten donnernd mit ihren gehörnten Köpfen gegen das steinerne Tor, machten kehrt und wiederholten das Manöver ein zweites und ein drittes Mal. Lange würde das Tor nicht mehr standhalten. Rasch ging er noch einmal ihre Verteidigungsmöglichkeiten durch. Wegen der Enge des Tores mussten die Drachen einzeln hindurchschwimmen, sodass seine Krieger einen nach dem anderen bekämpfen konnten. Die Chancen standen gut, dass sie Sondrur, trotz eines geknackten Haupttores, halten konnten.

Imendur zog einen Bolzen aus seinem Köcher, als ein Schlag ertönte, der deutlich lauter knallte als die zuvor. Sofort riss er den Kopf wieder nach oben, aber das Tor war geschlossen. Seine Trommler schlugen einen dreifachen Herzschlag, der signalisierte, dass Jarmars Armee in die Festung eindringen konnte. Nein! Das durfte nicht sein. Wo war ihnen das gelungen? Er verließ seine Position in der vorderen Bastion, begleitet von seiner Leibwache und Meldeschwimmern. Sie durchquerten den Innenhof, als Schreie und Kampfgeräusche aus dem hinteren Teil der Festung drangen. Imendur beschleunigte. Das schmiedeeiserne Tor, das von der nördlichen Bastion in den Innenhof führte, sprang krachend auf und mit Reitern besetzte Drachen schwammen hindurch. Imendur schwebte wie angewurzelt und betrachtete das riesige Loch in der nördlichen Außenmauer. Die Harpune, die es gerissen hatte, musste die seiner Unterwasserschiffe an Durchschlagkraft weit übertreffen. Warum hatte er die nördlichen Bastionen so dürftig besetzen lassen? Die wenigen Krieger konnten dem Sturm nicht standhalten. Er löste sich aus seiner Versteinerung, schwamm im Innenhof nach unten und zwängte sich durch den runden Eingang des Unterwasserschiffs, das Saliná befehligte. Seine Leibwache und die Meldeschwimmer mussten sich dicht drängen, um ins Boot zu passen. Er vertraute seiner Tochter, aber er wollte in ihrer Nähe sein, um sie zu beschützen.
„Ich steuere. Ihr könnt an die Harpunen gehen, Saliná“, sagte er. Er ließ das Schiff zum Eingang der eingenommenen Bastion aufsteigen. Saliná befehligte unterdessen die Harpuniere, die gleich beim ersten Schuss trafen. Zum Glück blieb ihnen der Vorteil vom Haupttor erhalten. Die Tiere passten auch durch den Bastionseingang nur einzeln. Imendur steuerte noch ein Stück näher an diesen heran, als die Mauer um das Tor herum auseinandersprang. Die Drachen vergrößerten sich den Durchgang, sodass vier oder fünf gleichzeitig passieren konnten. Die Mauer bröckelte weiter und stürzte in großen Teilen in den Innenhof hinab. Saliná schrie den Befehl zum weiteren Schuss. Diesmal traf keine der Harpunen. Vielleicht waren die Schützen zu nervös. Die Drachen verteilten sich im Innenhof und griffen die Boote an. Im Augenwinkel sah Imendur, wie sie zwei seiner Schiffe gegeneinander schleuderten. Er war abgelenkt und bemerkte zu spät, dass ein unbemannter Drache auf ihn zukam. Das Tier holte mit dem Schwanz aus. Imendur wollte beidrehen, aber es gelang ihm nicht, rechtzeitig auszuweichen. Das Boot wirbelte mehrfach um die eigene Achse und er stieß hart mit dem Kopf gegen die Schiffswand ...

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